Traumjob im Heimatwald

Franziska Teichert (26) ist die neue Försterin im Revier Dieburg und wird Nachfolgerin von Martin Starke

von Michael Dobler
0 Kommentar Gemeinsam mit Martin Starke begutachtet Franziska Teichert die jungen Eichen, die sie bereits vor zehn Jahren in ihrem Freiwilligen Ökologischen Jahr gepflegt hat. Foto: Stadt Dieburg

Dieburg. Wer künftig im Dieburger Wald unterwegs ist, hat gute Chancen, die „Neue“ im Forstrevier anzutreffen: Seit gut acht Wochen ist Franziska Teichert als Försterin für das Revier Dieburg und damit auch für den Stadtwald zuständig. Sie tritt die Nachfolge von Martin Starke an, der als Förster zuletzt auch Dieburg mit betreut hat und Ende Juli nach 34 Jahren in den Ruhestand gehen wird. Seine Nachfolgerin ist für den Wald in Dieburg, Münster und ab 2025 auch in Messel zuständig – insgesamt liegen damit mehr als 1800 Hektar in ihrem Verantwortungsbereich, 950 Hektar hiervon auf Dieburger Gemarkung.

Gemeinsam mit Martin Starke begutachtet Franziska Teichert die jungen Eichen, die sie bereits vor zehn Jahren in ihrem Freiwilligen Ökologischen Jahr gepflegt hat. Foto: Stadt Dieburg

Es war ein Praktikum beim damals noch für Dieburg zuständigen Förster Peter Sturm, das vor rund zehn Jahren bei der damaligen Neuntklässlerin die Leidenschaft für den Wald geweckt hat. „Er hat mich mit seiner Begeisterung angesteckt, das hat mich seitdem nicht mehr losgelassen“, erinnert sich die heute 26-Jährige an nur eine Woche in ihrem Leben, die über ihr künftiges Berufsleben entscheiden sollte. Denn den Weg zu ihrem Traumjob verfolgte sie seitdem konsequent weiter: Nach dem Abitur absolvierte Teichert ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ), das sie erneut ins Dieburger Forstrevier führte. „Spuren“ hiervon sind dort auch heute noch dort zu sehen: „Diese Eichen habe ich damals mit Peter Sturm im Rahmen einer Aufforstung gepflegt, es ist unglaublich, dass sie heute schon so groß sind“, freut sich Franziska Teichert beim Rundgang durchs Revier unweit der Forstgartenschneise.

Auch Martin Starke kennt seine neue Kollegin seit dem FÖJ – und ist überzeugt, dass er ihr im Sommer „seinen“ Wald guten Gewissens überlassen kann. „Die Stadt kann sich glücklich schätzen, Franziska macht das toll! Sie hatte sich bereits nach zwei Wochen so gut eingearbeitet, dass sie kaum noch Fragen hat“, lobt Starke seine junge Kollegin. Nach dem FÖJ absolvierte Teichert ein Studium der Forstwirtschaft in Rottenburg am Neckar (Baden-Württemberg), zu dem ein Praxissemester zählte, in dem sie auch Erfahrungen in anderen Forstrevieren sammelte. Dass ihre erste Stelle nach dem Studium sie ausgerechnet in „ihren“ Dieburger Wald führte, freut sie Tag für Tag: „Das ist mein Heimatwald, es ist perfekt,dass ich hier als Försterin arbeiten darf“, sagt Teichert, die heute in Dreieich-Götzenhain wohnt.

Die Arbeit einer Försterin bedeutet aber nicht nur, den ganzen Tag in der Natur zu verbringen: „Rund 60 Prozent sind klassische Büroarbeit“, sagt Teichert. Ob Gefährdungsanalysen darüber, welche Bäume aus Sicherheitsgründen geschnitten oder gefällt werden müssen, die Beauftragung von Waldarbeitern, die Erstellung des Waldwirtschaftsplans oder die Erfassung von potenziellen Aufforstungsflächen – für Vieles braucht es einen Computer und ein Büro. An den meisten Tagen arbeitet Franziska Teichert in den Morgen- und späten Nachmittagsstunden im Büro, während sie die Zeit zwischendurch am liebsten im Wald verbringt.

Ihre persönlichen Highlights in ihrem neuen Revier sind die fast 200 Jahre alten Buchen, die 150 Jahre alte Kiefern „und natürlich die Methusalem-Bäume“, ist sich Franziska Teichert mit Martin Starke einig. Etwa die dicke Flatterulme, die auch dem erfahrenen Förster in den vergangenen Jahrzehnten ans Herz gewachsen ist. Doch die Folgen des Klimawandels schlagen sich zunehmend in der Arbeit des Forstamts nieder: „Wir waren in den letzten fünf Jahren im Prinzip nur mit Schadholz beschäftigt“, erklärt Martin Starke. Das gesamte Berufsbild des Försters habe sich gewandelt, vor allem im Rhein-Main-Gebiet. Während früher der Holzverkauf stark im Fokus stand, gewannen in den vergangenen Jahren Natur- und Artenschutzaspekte immer mehr an Bedeutung: etwa die Forstwirtschaft nach Zertifizierungs-Maßstäben unter Berücksichtigung des Prinzips der Nachhaltigkeit, die bereits seit Jahren im Dieburger Wald praktiziert wird oder die Erhaltung von Habitatbäumen, die einen wertvollen Lebensraum für Flora und Fauna bieten.

Dennoch zeigt sich Franziska Teichert mit Blick auf die Zukunft optimistisch: „Dieser Wald hat so viel Potenzial, auch wenn er teilweise eher traurig aussieht“, meint sie. Der Wald sei gut gemischt, es gebe viele verschiedene Baumarten in stufigen Beständen. Teichert: „Das ist die Stellschraube, auf die ich mich freue: Hier kann man wirklich etwas bewegen.“ Und so die Weichen stellen, damit der Dieburger Stadtwald künftig noch besser gewappnet ist gegen den Klimawandel.

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