Schwimmbad öffnet nicht 2024

Bauzeitenverzögerung führt zu trauriger Gewissheit

von Peter Hoffmann
0 Kommentar Foto: ©Stadt Groß-Umstadt

Es ist amtlich, das Groß-Umstädter Schwimmbad öffnet doch noch nicht im kommenden Jahr. Der Neubau verzögert sich, sodass der Magistrat der Stadt Groß-Umstadt die Gelder für den Schwimmbadbetrieb aus dem Haushalt 2024 genommen hat.

Bürgermeister René Kirch berichtet: „Der Bauzeitenverzug ist ärgerlich und führt dazu, dass es zu keinem Schwimmbadbetrieb im Jahr 2024 kommen wird. Die Liste der Rückschläge und der unvorhersehbaren Ereignisse bei dem historischen, mehrfach sanierten Bad ist leider lang und durchkreuzt den Bauzeitenplan.“

Was sind die Gründe für den Verzug?
Bereits Ende des letzten Jahres ist völlig unerwartet eine wichtige und zentrale Projektmitarbeiterin eines externen Partners verstorben. Trotz der erschütternden Nachricht wurde bis zum Sommer der Stadtverwaltung noch zugesichert, dass die Gesamtfertigung im Zeitplan sei.

Doch bei den Untersuchungen wurden aufgrund des Alters der Bausubstanz Schadstoffe festgestellt (z.B. in Rohrleitungen, Anstrichen, Fliesenklebern, Dichtmassen). Dass diese vorhanden sind, war absehbar, jedoch der Umfang überraschte die Planer und die Kette der Verzögerung nahm ihren Lauf.

Die Bodenbeschichtungen am Ursprungsbecken aus den 1930er Jahren, unterhalb des Schwimmerbeckens, hat asbesthaltige Stoffe hervorgebracht, die umfangreiche baubegleitende Schadstoffuntersuchungen und Spezialentsorgungen bedarf. Die Kapazitätsengpässe bei den Prüfungslaboren verzögerten das Vorhaben bei den rechtlich vorgeschriebenen Untersuchungen kontinuierlich.

Zusätzlicher zeitlicher und organisatorischer Aufwand entsteht für die Zwischenlagerung schadstoffbelasteter Abbruchmaterialien, da abhängig von den Ergebnissen der Proben, die Transport- und Deponieverfahren mit den Annahmestellen abgestimmt werden müssen. Die

schadstoffbelasteten Bauteile vom Ursprungsbecken lagen unterhalb des neu zu errichtenden Beckens.
Die Verwaltung ist gesetzlich verpflichtet, Schadstoffe, die aufgefunden werden, fachgerecht zu entsorgen und dies dezidiert zu dokumentieren. Die Schadstoffe dürfen nicht im Boden belassen werden. Grundsätzlich ist es als positiv zu bewerten, dass jetzt eine umfassende Schadstoffsanierung durchgeführt wird, die eigentlich bereits beim Bau des Beckens in den 1980er Jahren erforderlich gewesen wäre. „Dass dies damals nicht erfolgte, war für uns eine Überraschung“, sagt Kirch.

Dieser Verzug der Abbruch- und Schadstoffentsorgungsarbeiten führt zu entsprechenden Verschiebungen der Erd- und Rohbauarbeiten, wodurch diese insgesamt in eine ungünstigere Witterungsperiode fallen. Bei den Gründungsarbeiten ergibt sich aufgrund der witterungsbedingt ungünstigen Bodenverhältnisse (Staunässe) ein erhöhter zeitlicher Aufwand durch zusätzliche Maßnahmen (Baugrundverbesserung, Bodenaustausch). Die Ausführung verschiedener Leistungen (z.B. Betonierungsarbeiten) kann nur bei geeigneten Witterungsverhältnissen ohne Frost erfolgen, wodurch hier mit Verzögerungen aufgrund von Stillstandszeiten im Winter zu rechnen ist.

Der Bürgermeister informiert: „Uns ist es wichtig, der Bevölkerung transparent und verständlich die Gründe offenzulegen. Der eingetretene Bauzeitverzug lässt sich im weiteren Bauverlauf leider nicht kompensieren, sodass wir bereits heute feststellen müssen, dass ein Schwimmbadbetrieb 2024 nicht realistisch ist. Die betroffenen Vereine haben wir informiert.“
Das Schwimmbad im Wandel der Zeit

Das seit 1925 in Groß-Umstadt bestehende Freibad ist ein geschätztes Infrastruktur- und Freizeitangebot. Es wurde mehrfach umgebaut und besteht in seiner zuletzt öffentlich genutzten Form seit 1982. Es ist mit einer großflächigen Grünanlage mit altem Baumbestand versehen.

Der Sanierungsbedarf besteht insbesondere aufgrund der intensiven Nutzung des Schwimmbads in den vergangenen Jahrzehnten sowie den zwischenzeitlich entstandenen technischen Innovationen. Die Stadtverordnetenversammlung hatte den Neubau für 12,5 Millionen Euro entschieden. Das neue Multifunktionsbecken wird mit vier 50-Meter-Bahnen inklusive Startblöcke sowie vier 25-Meter-Bahnen entstehen. Ferner wird es wieder eine Rutsche, ein Babybecken, einen Sprungturm und viele weitere Attraktionen geben. Im Zusammenhang mit der Badwassertechnik sind umweltfreundliche und ressourcensparende Neuerungen geplant. Der Zugang zum Becken wird zukünftig ebenerdig und behindertengerecht möglich sein.

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