Die Welt des Sports im Buch

von Michael Dobler

Am Samstag, den 23. April, ist wieder Welttag des Buches. Der Welttag ist seit 1995 ein von der UNESCO weltweit eingerichteter Aktionstag für das Lesen, für Bücher und für die Kultur des geschriebenen Wortes. Den Welttag des Buches können wir nutzen, müssen ihn aber nicht. Wer will, ist eingeladen, ein Buch zur Hand zu nehmen, um selbst darin zu lesen oder anderen daraus vorzulesen …

Auch im digitalen Zeitalter spricht einiges dafür, dass das E-Book das gedruckte nicht vollends ersetzen wird: „Die Gestalt eines Buchs erlaubt zudem eine bessere Verortung, wenn es nach der Lektüre auf die Suche nach Einzelheiten geht: Auf Papierseiten findet man Gelesenes besser wieder“, lobte neulich FAZ-Literaturchef Andreas Platthaus die Vorzüge des Buches für die Lektüre im Alltag. Und was hat das alles mit Sport zu tun?

Zum Buchmarkt gehört längst – das ist eigentlich völlig überflüssig zu erwähnen – ein Segment mit Büchern über Sport. Teile dieses Segments scheinen immer mehr zu boomen. Sonst gäbe es nicht so viele Bücher über Fußball. Aber: Dieses Segment differenziert sich auch immer weiter aus: War es bisher durchaus üblich, (s)eine Biografie vom Ghostwriter oder mit Co-Autor zu verfassen, können wir jetzt z.B. Bastian Schweinsteigers Leben als Fußballer im Roman von Martin Suter lesen. Basti bleibt: „Einer von Euch“ (Zürich 2022).

Wenn wir die Größe des Balles wechseln, dann landen wir schnell auf einem ganz anderen Spielfeld mit wunderschönen literarischen Ballwechseln – nämlich im Tennis: Andrea Petkovic wird bei Wikipedia inzwischen nicht nur als Tennisspielerin, sondern auch als Schriftstellerin geführt nach dem glänzenden Debüt mit ihren autobiografischen Erzählungen „Zwischen Ruhm und Ehre liegt die Nacht“ (Köln 2020), und eine Hommage an den „Tennis-Baron“ Gottfried von Cramm (1909-1976) findet sich in Tom Sallers Roman „Julius oder die Schönheit des Spiels“ (Berlin 2021) u.a. mit Ballwechseln im Grunewald beim LTTC Rot-Weiß.

Meine persönlichen Leseerfahrungen gehen aber jüngst noch in eine ganz andere Richtung. Denn selbst in Büchern, wo nicht einmal Sport draufsteht und wo man angesichts des Genres bzw. des Autors auch nichts mit Sport erwartet, gibt es plötzlich Passagen, die wir als Sport verorten können. Drei Textstellen aus druckfrischen Büchern mögen das unterstreichen: „Mal war es der Marathon, mal war es ein Radrennen, das den Verkehr unterbrach“, schreibt Hans-Ulrich Treichel (Schöner denn je. Roman, Berlin 2021) auf Seite 117 über Fahrten durch Berlin-Charlottenburg. Und bei Edgar Selge (Hast du uns endlich gefunden, Hamburg 2021) gibt es auf Seite 261 diese Einzelheit: „Das ist Sausi Beier, sagt Martin. Der will mich zum Handball abholen. Handball? Mit dem Kopf? Du kannst dich doch jetzt nicht in ein Tor stellen! Mach ich auch nicht. Aber zugucken will ich schon“. Und schließlich noch Helge Timmerberg (Lecko Mio. Siebzig werden, Köln 2022): „Weiße Haare, aber nicht ein Quadratzentimeterchen Glatze, schlank und fit, er joggt noch jeden Tag im Park. Und nie hätte ich gedacht, er würde mal das Rauchen aufgeben“ (S. 132).

Fazit: Die Welt des Sports ist im Buch angekommen. Der Welttag des Buches ist Sportalltag im Buch geworden. Alle, die sich jetzt angesprochen fühlen, können dann am 23. April den Selbstversuch wagen – mit (Sport-)Büchern nach eigener Wahl!

(Autor: Prof. Dr. Detlef Kuhlmann)

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