Das Stadthallenkino zeigt „Wish“ und „Perfect Days“

von Michael Dobler
0 Kommentar Fotos © Hessen Film und Medien

Am Dienstag, 20.02.2024, verwandelt sich der Große Saal der Stadthalle Groß-Umstadt wieder in einen Kinosaal. Gezeigt wird um 17 Uhr der Film „Wish“ im Kino für Kinder. Anschließend läuft um 20 Uhr der Film „Perfect Days“.

Der Eintritt kostet 6 Euro pro Kind und 8 Euro pro Erwachsene. Karten sind an der Kasse erhältlich. Veranstalter sind die Stadt Groß-Umstadt und Cine Max GmbH, Hanau.

WISH

Mit dem neuesten Animationsfilm „Wish“ feiert Walt Disney Pictures sich praktisch selbst – und das nicht nur, indem die Hymne des Studios in das Zentrum des Films gerückt wird. Überhaupt wirkt die Geschichte um eine junge Frau, die versucht, die Wünsche des Volkes, die von einem Zauberer vereinnahmt wurden, zu befreien, doch wie Flickwerk, bei dem die typischen Disney-Ingredienzien dabei sind. Aber das ist zumindest solide und für die kleinen Zuschauer durchaus auch toll.

Im Reich Rosas herrscht der Zauberer Magnifico, der die größten Wünsche seiner Bürger in seine Obhut genommen hat und entscheidet, welche erfüllt werden. Die 17-jährige Asha möchte sein Lehrling werden, doch sie stellt in Frage, wie Magnifico mit den Wünschen verfährt, da er einige aus fadenscheinigen Gründen niemals erfüllen will. Er nimmt sie nicht als Lehrling, aber ihr kommt ein Stern zu Hilfe, der sie dabei unterstützt, das Schicksal der Bewohner von Rosas zu ändern. Denn sie hat sich in den Kopf gesetzt, jedem seinen Wunsch zurückzugeben.

Der Song „When You Wish Upon a Star“ wurde von Leigh Harline und Ned Washington für den im Jahr 1940 präsentierten Zeichentrickfilm „Pinocchio“ geschrieben. Im Verlauf der Jahre wurde er zu so etwas wie der Hymne des Disney-Konzerns. Da erscheint es nur passend, dass er nun auch im Zentrum von „Wish“ steht, in dem es um ein magisches Königreich geht. Disney zitiert sich hier häufig selbst. Sogar die Geschichte ist im Grunde nur eine Variation von Altbekanntem, mit einer Heldin, die über sich selbst hinauswachsen muss.

USA 2023, Regie: Chris Buck, Fawn Veerasunthorn, Animationsfilm, 95 Min., ab 0 J.

PERFECT DAYS

Wim Wenders, der international wohl berühmteste deutsche Regisseur, der nun nach Japan gehen musste, um seinen besten Spielfilm seit 30 Jahren zu realisieren: „Perfect Days“ ist dabei so sehr von ruhigen Beobachtungen eines allein, aber nicht einsam lebenden Mannes geprägt, dass er oft wie eine Dokumentation wirkt.

In Tokio lebt und arbeitet Hirayama Koji (Yakusho) in bescheidenen Verhältnissen, die manche wohl als ärmlich bezeichnen würden. Eine winzige Wohnung ohne Bad, die er Tag für Tag verlässt, um für das Unternehmen The Tokyo Toilet die Toiletten im zentralen Stadtbezirk Shibuya zu putzen. Mit größter Ruhe und Akribie geht er seiner Arbeit nach, dreht jeden Tag dieselbe Runde, isst im selben Park sein Mittagessen, betrachtet in kurzen Pausen die Schattenspiele der Blätter in den Bäumen, liest abends Romane und wirkt, als sei er voll und ganz zufrieden mit seinem Leben.

Wenige Worte macht dieser Mann, sein junger Kollege Takashi ist da ganz anders, er plappert, wo Hirayama mit Gesten kommuniziert. Erst als Hirayamas Nichte Niko in seiner kleinen Wohnung auftaucht, offenbar nicht zum ersten Mal von zu Hause weggelaufen, zeigt sich, dass dieser freiwillige Eremit auch eine Familie hat, von der er sich jedoch bewusst fernhält.

Aus dem Auftrag, eine kurze Dokumentation über die architektonisch tatsächlich bemerkenswerten Toilettenhäuschen Shibuyas zu drehen, entstand binnen kürzester Zeit dieser Spielfilm. Ohne aufwändige Handlung, ohne dramatische Ereignisse, einfach nur als Studie eines Mannes und seiner Tätigkeiten und dabei doch durch und durch ein Wim Wenders-Film. Was bedeutet: Hirayamas Leben und Interessen sind stark geprägt von analogen Geräten. In seinem Auto hört er Musikkassetten mit Bands aus den 70er Jahren und macht in seinen Pausen schwarz-weiß-Fotos auf einer 35mm Kleinbildkamera. Die auch das Bildformat des Films selbst bestimmen, der mit seinen fast quadratischen Bildern eine Enge aufweist, die gar nicht zu den Bildern der Straßen Tokios zu passen scheint, in denen Wenders eine Variation seines liebsten Genres, des Road Movies, inszeniert.

Viele Verweise an die Vergangenheit also, aber von der Momentan im Kino so allgegenwärtigen Nostalgie ist im Wesen der Hauptfigur keine Spur. Im Gegenteil: Hirayama lebt ausschließlich in der Gegenwart, quält sich nicht mit Erinnerungen an Vergangenes, trauert nicht etwaigen Momenten hinterher, die sein Leben in andere Bahnen gelenkt hätten, sondern ist ein glücklicher Mensch. (Michael Meyns)

Japan 2023, Regie: Wim Wenders, Darsteller: Koji Yakusho, Tokio Emoto, Arisa Nakano, Aoi Yamada, Yumi Aso, Sayuri Ishikawa, Länge: 124 Minuten, ab 0 J.

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